Konzept zum langfristigen und nachhaltigen Wassermanagement in der Branitzer Parklandschaft

Zur Gewährleistung der dauerhaften Wasserversorgung von Gewässern und Bewässerung

Ziel der Maßnahme

Dauerhafte Sicherung der ausreichenden Wasserversorgung für die Branitzer Parklandschaft, Erhalt des historischen Erscheinungsbildes der Anlage und nachhaltiger Einsatz der Ressource Wasser

Einleitung

Das Erscheinungsbild des Gartendenkmals Branitzer Parklandschaft ist – neben Gehölzbeständen, Wiesen, Bodenmodellierung u.ä. – wesentlich von den acht Seen und ca. fünf km verbindenden Kanälen geprägt. Gespeist werden die Gewässer des Parks vor allem aus dem Schichtenwasser und aus der Spree, die westlich an den Außenpark grenzt. Künftig ist eine Wasserknappheit im Spreefluss zu erwarten (UBA-Wasserstudie Juli 2023), die aus der Einstellung des Braunkohlebergbaus in der Lausitz resultiert (schrittweise keine Einleitung von Sümpfungswässern mehr) und durch Änderungen der klimatischen Wasserbilanz als Folge des Klimawandels noch verstärkt werden wird. Die ausreichende Verfügbarkeit von Wasser in der Branitzer Parklandschaft muss jedoch dauerhaft gewährleistet sein, um das Erscheinungsbild des Gartendenkmals zu sichern und die Bewässerung in großen Teilen des Parks erhalten zu können.

Maßnahmenbeschreibung

Um die Wasserversorgung der Parkgewässer dauerhaft zu sichern, wurden im Rahmen des Konzepts zum langfristigen Wassermanagement mehrere Maßnahmenpakete durchgeführt:

  1. Kooperation zwischen SFPM und LEAG (Betreiber der Tagebaue), von Spreeauenpark und Tierpark Cottbus innerhalb der Parklandschaft, die ebenfalls durch die Spree mit Wasser versorgt werden, sowie dem Umweltamt der Stadt Cottbus über einen regelmäßigen Datenaustausch zu wasserwirtschaftlich relevanten Parametern, Kontrolle und Steuerung der Spreewasserverteilung sowie zum Grundwassermonitoring (2022).

  2. Hydrologische Kenntnisstand- und Langzeitanalyse über die Grundwasserstandsentwicklung und deren Interaktion mit den Oberflächengewässern von 1970 bis 2023 (2023).

  3. Wasserbedarfsermittlung (jahreszeitbezogen und in Abhängigkeit meteorologischer Bedingungen): Durchführung von bis zu max.10 Messkampagnen (Durchflussmessungen) zur Ermittlung jahreszeitenabhängiger repräsentativer Wasserbilanzen (2023).

  4. Ingenieurtechnische Evaluierung des wassertechnischen Anlagen- und Zustandes: Zuleiter- und Verteilersystem, Wasserbauwerke, Grabengeometrie, stationäre Beregnungsanlage, Mess- und Steuerungseinrichtungen auch unter Beachtung der wasserwirtschaftlichen Vernetzung zu den Gewässern des nahen Tierparks Cottbus und dem Vorpark (2023).

  5. Erarbeitung von jahreszeitabhängigen repräsentativen Wasserbilanzen (2025).

  6. Wasserrechtlicher Erlaubnis-Antrag zur Erlangung einer dauerhaften Genehmigung zur auskömmlichen Entnahme von Spreewasser zur Einspeisung in die Parkgewässer und zur Entnahme zum Gießen (2025).

  7. Rechtliche und Technische Prüfung der Möglichkeit der Wasserentnahme aus dem Branitz-Dissenchener Hauptgraben zur Versorgung der neuen Branitzer Baumuniversität im Außenpark (2024).

  8. Umsetzung baulicher Maßnahmen, die aus dem Wassermanagementkonzept resultieren (2024/25).

Die noch 2020 geplante Idee eines Tiefenbrunnens zur dauerhaften Bewässerung wurde verworfen. Diese wäre enorm teuer (Energiekosten p.a. ca. 800.000 €), hätte stark in das Ökosystem eingegriffen und zudem höchst wahrscheinlich nur Wasser gefördert, das wegen zu hoher Salzbelastung aufwändig gefiltert werden müssen.

Direkte Effekte

Zusammenfassung des aktuellen Kenntnisstandes zu den Sachthemen Hydrogeologie, Hydrologie und Wasserhaushalt in der Branitzer Parklandschaft. Beitrag zur Sicherung der Wasserversorgung und zum Erhalt des historischen Erscheinungsbildes.

Indirekte Effekte

Sensibilisierung der Bevölkerung sowie von Fachbehörden und TÖBs für das Thema Wasser durch gewässerbezogene Maßnahmen und damit zusammenhängende gezielte Öffentlichkeitsarbeit (Vorträge, Publikationen, Exkursionen).

Eignung / Wertung / Probleme

Die Erstellung der hydrologischen Kenntnisstandanalyse und der Wasserbilanzen war unumgänglich als Grundlage für weitere Schritte zur nachhaltigen Gewährleistung der Wasserversorgung der Branitzer Parklandschaft. Die hydrologische Kenntnisstandanalyse ergab beispielsweise, dass die in den 1980er Jahren in Vorbereitung des Tagebaus angelegten extrem tiefen Gräben im Bereich der Schmiedewiese entgegen der ursprünglichen Intention entwässernd wirkten. Daher wurden diese Gräben 2024/25 verfüllt bzw. in den historischen Zustand als flache Retentionsgräben zurückversetzt und damit zudem gartendenkmalpflegerische Bilder wiederhergestellt.

Zudem wurde das unter Fürst Pückler ab 1850 angelegte System von ableitenden Gräben, die über das Jahr meist trocken liegen, wiederhergestellt. Waren diese im 19. Jahrhundert zum Ableiten von Hochwasser aus der Spree gedacht, dienen sie heute dazu, Wasser bei Starkregenereignissen in Folge des Klimawandels abzuleiten bzw. dieses Wasser in der Fläche zu halten (Retention).

Die Wasserbilanzen 2025 zeigten zudem, dass die Parkgewässer zwar relativ stabil in das Grundwasser eingebettet sind, aus gewässerökologischen und landschaftsästhetischen Gründen jedoch ein Durchfluss von Spreewasser zwingend erforderlich ist. Entnahme, Durchfluss von Spreewasser durch den Branitzer Innen- und Vorpark sowie Spreeauen- und Tierpark und die Wiedereinleitung über Landgräben in die Spree sind laut Gutachten bilanzneutral. Dem Spreefluss geht also durch die Branitzer Parkgewässer kein Wasser verloren. Das ist eine wichtige Erkenntnis und damit Voraussetzung, um eine Genehmigung für den dauerhaften Zufluss aus der Spree auch in extremen Trockenzeiten und bei Niedrigwasser zu begründen und zu gewährleisten.

Erfolg

Die wesentlichen Bausteine des Konzeptes zum Wassermanagement wurden 2025 abgeschlossen, auch wesentliche bauliche Maßnahmen (Verfüllung / Profilanpassung von entwässernden Gräben auf der Schmiedewiese) sind erledigt. Hinzu kommen Reparaturen der historischen Abflussgräben am Vorparkweg und am Parkrand. Der Antrag auf dauerhaften (Mindest-)Zufluss aus der Spree ist 2025 in einer wasserrechtlichen Stellungnahme positiv beantwortet worden.

Die Erfolgskontrolle erfolgt durch ein i.d.R. quartalsweises ortsbezogenes Wassermonitoring und einer jährlich wiederkehrenden Auswertung. Durch vorgegebene Grenzwerte im Sinne von Sollbruchstellen besteht jederzeit die Möglichkeit der Nachjustierung und Anpassung. Ein wichtiger Überprüfungszeitraum wird das Jahr 2038ff. als gesetzlich fixiertes Kohleausstiegsdatum sein.

Monitoring und Dokumentation

Die Ergebnisse der Hydrologischen Kenntnisstandanalyse sowie der Wasserbilanzen wurden in umfangreichen Berichten dokumentiert. Die Baumaßnahme zur Verfüllung bzw. Teilverfüllung der Gräben auf der Schmiedewiese wurde ebenfalls in Bild- und Textform dokumentiert.

Das Monitoring der Wasserzufuhr aus der Spree erfolgt durch den zuständigen Bewässerungstechniker im laufenden Tagesgeschäft, da die Wasserzufuhr und damit auch der Wasserstand im Park nahezu zentimetergenau regulierbar ist. Grundwassermessdaten liegen seit 1966 lückenlos vor und werden in Kooperation mit dem Bergbauunternehmen LEAG jährlich fortgeschrieben.

Umwelt- und Standortbedingungen / Rahmenbedingungen

Standortbedingungen:

Lage der Branitzer Parklandschaft in der Lausitz als einer der trockensten Regionen Deutschlands;

Klimadaten Wetterdaten für Cottbus (Quelle: DWD)

  • Jahresmitteltemperatur (1991–2020): 10,0 Grad Celsius

  • Höchste Jahresmitteltemperatur (2019): 11,4 Grad Celsius

  • Niedrigste Jahresmitteltemperatur (1996): 7,8 Grad Celsius

  • Absolutes Temp.maximum (2022): 39,2 Grad Celsius (gemessen in 2 m Höhe)

2022 lag die Jahresmitteltemperatur mit 11,0 Grad Celsius um 1 Grad Celsius über dem langjährigen Monatsmittelwert (1991–2020).

  • Jahresniederschlag im Mittel (1991–2020): 566,0 mm

  • Höchster Jahresniederschlag (2010): 816,8 mm

  • Niedrigster Jahresniederschlag (2006): 352,7 mm

Bemerkungen

Die Maßnahme erfolgt mit Bundesmitteln, die jährlich für den Park zur Verfügung stehen.

Autoren

Fachbereich Park & Gartendenkmalpflege, Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz

Investitionskosten

  • Hydrologische Kenntnisstandanalyse 2024: 43.000 €

  • Wasserbilanz 2025: ca. 25.000 €

  • Baumaßnahme Grabenverfüllung 2024/25: ca. 233.000 €

  • Hydrologische Fachberatung: 15.000 €

Laufende Betriebskosten

Indirekte Auswirkungen auf laufende Betriebskosten und Pflegeaufwand, z.B. geringerer Pflegeaufwand für verfüllte Gräben.

Kooperationspartner:innen

LEAG (Betreiber des Tagebaus in der Umgebung)

Fördermittelgeber

Bundesmittel

Projektlaufzeit

2022 bis 2025

Download

Weiterführende Literatur

  • Helmut Rippl, Gert Gockel und Eckhard E. Neumann: Das Verhalten von Bäumen unter bergbaulicher Grundwasserabsenkung – Ergebnisse 30-jähriger Beobachtungen, 2013.

  • Ingolf Arnold: Wasser und Braunkohle – ständige Begleiter des Branitzer Parks, in: Jürgen Heinrich, Jens Lipsdorf: Niederlausitz zwanzig-einundzwanzig. Ein Jahrbuch, Cottbus 2020, S. 69-93.

Zuständige Schlösserverwaltung

Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz (SFPM)