Eichen-Versuchspflanzungen in der Branitzer Parklandschaft

Versuchspflanzung von klimaangepassten Eichen-Arten und -Sorten in der Pücklerallee als Alternativen zur Stiel-Eiche

Ziel der Maßnahme

Ermitteln von Eichen-Arten und -Sorten, die besser an die Auswirkungen des Klimawandels angepasst sind, als die heimische Stiel-Eiche – bei größtmöglicher Ähnlichkeit im Erscheinungsbild

Einleitung

Die heimische Stiel-Eiche versagt tlw. bei extremer Dürre und Hitze, insbesondere auf sandigen Böden. Diese extremen Wetterverhältnisse treten im Rahmen des Klimawandels immer häufiger auf. Es sollen alternative, gartendenkmalverträgliche und klimawandelangepasste Baumarten ermittelt werden.

Maßnahmenbeschreibung

Die Auswirkungen des Klimawandels schwächen den Baumbestand und machen ihn anfälliger für Krankheiten und Schädlinge. Im Branitzer Park verzeichnen deswegen insbesondere die beiden Hauptbaumarten, Rot-Buche und Stiel-Eiche, große Schäden und Verluste in den letzten Jahren. Hinzu kommt das hohe Alter der Bäume im Park, der ab 1846 angelegt wurde. Vom sogenannten „Eichensterben“ betroffen sind dabei vor allem Bereiche im Norden des Innenparks und des Außenparks, wie die von der heimischen Stiel-Eiche (Quercus robur) dominierte Pücklerallee.

Die schrittweisen Nachpflanzungen in der Pücklerallee erfolgen entgegen der herkömmlichen gartendenkmalpflegerischen Praxis nicht mehr ausschließlich mit Stiel-Eichen, sondern mit einer großen Auswahl an Eichen-Arten und Sorten (u. a. Q. acutissima, Q. bicolor, Q. x carrissoana, Q. cerris, Q. x libanerris), die dem historischen Bild in Wuchshöhe, Habitus, Blattform, Blattfarbe, Rindenstruktur am Nächsten kommen und gleichzeitig die nötige Klimaresilienz gegenüber Hitze, Trockenheit, Frösten aufweisen. Die erste Nachpflanzung erfolgte im Winter 2022/23. Weitere Nachpflanzungen mit weiteren Arten und Sorten folgten seitdem Jahr für Jahr.

Bei der Pflege der Nachpflanzungen wird versucht, weitgehend das „Verwöhnen“ der Jungbäume zu vermeiden, d.h. vor allem bedarfsgerechtes Wässern, dazu Mulchen der Pflanzscheibe, Verbissschutz und Erziehungsschnitte bei Bedarf.

Direkte Effekte

Langfristig: Lückenschluss der Pücklerallee, das Bild einer englischen Allee, in der die spezifischen Wuchsformen der Eichen sich frei entfalten können, soll dabei erhalten bleiben. Geringfügige Veränderungen des Alleebildes aufgrund der veränderten Zusammensetzung der Baumarten sind nicht auszuschließen, ohne jedoch den Gesamteindruck der Allee und damit des Gartendenkmals zu beeinträchtigen.

Indirekte Effekte

Durch eine größere Bandbreite der Arten und Sorten ist insgesamt eine geringe Anfälligkeit der Allee gegenüber Krankheiten, Schädlingen etc. zu erwarten. Durch bessere Klimaanpassung der Gehölze reduziert sich voraussichtlich der Pflegeaufwand (z.B. für Bewässerung).

Eignung / Wertung / Probleme

Die Gattung Quercus umfasst mehrere Hundert Arten, Unterarten etc. Daher galt es auf der Grundlage von Recherchen zunächst eine Vorauswahl zu treffen, die bezüglich Trockenheitstoleranz, Hitzeverträglichkeit, Frosthärte, Wuchshöhe, Habitus etc. in Gartendenkmalen als mögliche Alternativen zur heimischen Stiel-Eiche geeignet erscheint. Die Eignung der Pflanzen wird regelmäßig beurteilt. Eine abschließende Empfehlung der Eignung kann erst nach einigen Jahren erfolgen.

Erfolg

Über 95 % der seit 2022/23 gepflanzten Bäume haben sich gut bis sehr gut entwickelt und erweisen sich bislang unter den o.g. Kriterien als geeignet.

Monitoring und Dokumentation

Ein Monitoring (einschl. Dokumentation) erfolgt derzeit im Rahmen von regelmäßigen Sichtkontrollen. Zur systematischen Erfassung und Evaluierung von Zuwachs, Vitalität, Gesundheit und Habitus entwickelt die SFPM 2024/2025 einen einheitlichen Erfassungsbogen. Perspektivisch wird auch eine wissenschaftliche Begleitung und Auswertung durch Kooperationspartner erfolgen.

Umwelt- und Standortbedingungen / Rahmenbedingungen

Standortbedingungen:

Lage der Branitzer Parklandschaft in der Lausitz als einer der trockensten Regionen Deutschlands; Pücklerallee: Boden extrem trocken und sandig, Grundwasserstände mehr als 2 m unter Gelände.

Wetterdaten für Cottbus (Quelle: DWD)

  • Jahresmitteltemperatur (1991–2020): 10,0 Grad Celsius

  • Höchste Jahresmitteltemperatur (2019): 11 Grad Celsius

  • Niedrigste Jahresmitteltemperatur (1996): 7,8 Grad Celsius

  • Absolutes Temp.maximum (2022): 39,2 Grad Celsius (gemessen in 2 m Höhe)

2022 lag die Jahresmitteltemperatur mit 11,0 Grad Celsius um 1 Grad Celsius über dem langjährigen Monatsmittelwert (1991–2020).

  • Jahresniederschlag im Mittel (1991–2020): 566,0 mm

  • Höchster Jahresniederschlag (2010): 816,8 mm

  • Niedrigster Jahresniederschlag (2006): 352,7 mm

Bemerkungen

Maßnahme im Rahmen des Modellprojektes Branitzer Baumuniversität, im Programm Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel; 2023 wurden außerdem Klima-Bäume aus einem Versuch des Albrecht Daniel Thaer-Instituts für Agrar- und Gartenbauwissenschaften der Humboldt-Universität in die Pücklerallee gepflanzt.

Autoren

Team der Branitzer Baumuniversität, Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz

Investitionskosten

Kosten für Bodenverbesserung, Saatgut bzw. Jungpflanzen; Anzucht der Gehölze in parkeigener Baumschule (Baumuniversität); ca. 10.000 € (nach aktueller Schätzung)

Laufende Betriebskosten

Kein wesentlicher Unterschied zu herkömmlicher Nachpflanzung mit heimischer Stiel-Eiche, ggf. langfristig Reduzierung des Pflegeaufwands durch Reduzierung der Bewässerung möglich

Kooperationspartner:innen

Humboldt Universität zu Berlin - Albrecht Daniel Thaer-Institut für Agrar- und Gartenbauwissenschaften, Berlin-Dahlem

Fördermittelgeber

BBSR; Programm Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel

Projektlaufzeit

seit 2021 (Projekt Branitzer Baumuniversität)

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Zuständige Schlösserverwaltung

Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz