Klimaanpassung eines ehemals dichten Gehölzbestandes in der Branitzer Parklandschaft

Kombination von Naturverjüngung mit Nachpflanzung klimaangepasster Arten in einem (ehemals) dichten Gehölzbestand am Vorparkweg

Ziel der Maßnahme

Erprobung einer neuen Strategie, um langfristig einen klimaangepassten, gemischten und relativ dichten Gehölzbestand aufzubauen und das Parkbild wiederherzustellen

Einleitung

Die heimische Stiel-Eiche versagt tlw. bei extremen Hitzewellen und Sandboden, auch in dichteren Beständen. Die im Gehölzbestand verbleibenden Rot-Buchen vertragen die plötzliche Freistellung schlecht, was zu einem Zusammenbrechen des gesamten Bestandes führen kann. Es sollen daher zur Unterstützung und Ergänzung der Naturverjüngung alternative gartendenkmalverträgliche und klimawandelangepasste Baumarten eingesetzt werden.

Maßnahmenbeschreibung

Die Auswirkungen des Klimawandels schwächen den Baumbestand und machen ihn anfälliger für Krankheiten und Schädlinge. Im Branitzer Park verzeichnen deswegen insbesondere die beiden Hauptbaumarten, Rot-Buche und Stiel-Eiche, große Schäden und Verluste in den letzten Jahren. Hinzu kommt das hohe Alter der Bäume. Vom sogenannten „Eichensterben“ betroffen sind dabei vor allem Bereiche im Norden der Parklandschaft, so auch die Stiel-Eichen (Quercus robur) in den Gehölzbeständen entlang des Vorparkweges, im Bereich vom Cottbuser Torhaus bis zur Pyramidenstraße. Durch die erforderliche Fällung großer Stiel-Eichen in diesem Bestand wurden junge Rot-Buchen freigestellt, die die daraus resultierende Besonnung der Stämme sehr schlecht vertragen.

Beim Neuaufbau des Bestandes wurden nicht mehr nur die vorhandenen heimischen Baumarten eingesetzt, sondern auch alternative Baumarten, die den Auswirkungen des Klimawandels besser trotzen können. Einerseits wird Naturverjüngung aus den vorhandenen Baumarten gefördert und unerwünschter Wildaufwuchs kontinuierlich entfernt, andererseits wurde eine Auswahl an klimaangepassten Eichen und anderen Klimagehölzen in sehr kleinen Qualitäten gepflanzt. Die zu fördernde Naturverjüngung aus dem Bestand umfasst dabei unter anderem Stiel-Eiche, Rot-Buche und Hainbuche. Für die Nachpflanzungen kamen unter anderem Zerr-Eiche (Quercus cerris), Flaum-Eiche (Quercus pubescens) und Hopfenbuche (Ostrya carpinifolia) zum Einsatz.

Zum Schutz vor Wildverbiss wurde ein Teil der Fläche eingezäunt, sowie in Bereichen mit dichterem Bestand einzelne Nachpflanzungen mit Wildschutzzaun geschützt.

Die Entfernung von unerwünschtem Wildaufwuchs läuft kontinuierlich. Die ersten ergänzenden Nachpflanzungen mit alternativen Arten erfolgten in der Pflanzsaison 2023/24 sowie 2024/25. Die Nachpflanzungen werden kontinuierlich fortgeführt.

Direkte Effekte

Langfristig: Wiederaufbau eines dichten gemischten Gehölzbestandes, das Parkbild soll dabei wiederhergestellt werden. Geringfügige Veränderungen des Parkbildes aufgrund der veränderten Baumartenzusammensetzung sind möglich, zeigen sich jedoch erst nach einigen Jahren bis Jahrzehnten.

Indirekte Effekte

Durch größere Bandbreite der Arten und Sorten ist insgesamt eine geringe Anfälligkeit des Gehölzbestandes gegenüber Krankheiten, Schädlingen etc. zu erwarten. Durch bessere Klimaanpassung der Gehölze reduziert sich ggf. der Pflegeaufwand (für Bewässerung).

Ein Teil der Nachpflanzungen erfolgte medien- und publikumswirksam zusammen mit Mitarbeitern eines börsendotierten Konzerns, die diese Maßnahme sponsorten und in einem Parkseminar 2025 selbst pflanzten.

Eignung / Wertung / Probleme

Die Recherchen zeigten, dass zahlreiche Eichen-Arten und -Sorten existieren, die sich auf Extremstandorten in Gartendenkmalen als mögliche Alternativen zur heimischen Stiel-Eiche anbieten. Darüber hinaus gibt es noch weitere alternative Baumarten, die hier zum Einsatz kommen. Eine abschließende Evaluierung der gepflanzten Baumarten kann jedoch erst nach Jahrzehnten erfolgen.

Erfolg

Evaluierung derzeit noch nicht möglich, Maßnahme wurde erst begonnen.

Monitoring und Dokumentation

Mit den vorbereitenden Arbeiten zur Einrichtung eines Monitoring-Netzes wurde begonnen, sodass künftig regelmäßig Daten erhoben werden können.

Umwelt- und Standortbedingungen / Rahmenbedingungen

Standortbedingungen:

Lage der Branitzer Parklandschaft in der Lausitz als eine der trockensten Regionen Deutschlands; Bereich am Vorparkweg: Boden extrem trocken und sandig, Grundwasserstände mehr als 2 m unter Gelände

Klimadaten

  • Wetterdaten für Cottbus (Quelle: DWD)

  • Jahresmitteltemperatur (1991–2020): 10,0 Grad Celsius

  • Höchste Jahresmitteltemperatur (2019): 11,4 Grad Celsius

  • Niedrigste Jahresmitteltemperatur (1996): 7,8 Grad Celsius

  • Absolutes Temp.maximum (2022): 39,2 Grad Celsius (gemessen in 2 m Höhe)

2022 lag die Jahresmitteltemperatur mit 11,0 Grad Celsius um 1 Grad Celsius über dem langjährigen Monatsmittelwert (1991–2020).

  • Jahresniederschlag im Mittel (1991–2020): 566,0 mm

  • Höchster Jahresniederschlag (2010): 816,8 mm

  • Niedrigster Jahresniederschlag (2006): 352,7 mm

Bemerkungen

Ein Teil der Nachpflanzungen erfolgt im Rahmen des Modellprojektes Branitzer Baumuniversität, im Programm Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel.

Autoren

Team der Branitzer Baumuniversität, Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz

Investitionskosten

Kosten für Bodenverbesserung, Saatgut bzw. Jungpflanzen; Anzucht der Gehölze in parkeigener Baumschule (Baumuniversität); Wildschutzzaun; ca. 20.000 €

Laufende Betriebskosten

Kein wesentlicher Unterschied zu herkömmlicher Nachpflanzung mit heimischen Arten, ggf. langfristig Reduzierung des Pflegeaufwands durch Reduzierung der Bewässerung möglich

Kooperationspartner:innen

  • Hochschule Geisenheim University

  • Humboldt-Universität zu Berlin – Späth-Arborethum

  • Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg (BTU)

  • Technische Universität Dresden – Fakultät Umweltwissenschaften

Fördermittelgeber

BBSR; Programm Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel

Projektlaufzeit

seit 2021 (Projekt Branitzer Baumuniversität)

Download

Weiterführende Links

Zuständige Schlösserverwaltung

Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz