Ziel der Maßnahme

Verfügbarkeit zukunftsfähiger, teils alternativer und zugleich gartendenkmalgerechter, Gehölzarten (-sorten etc.) für Versuchspflanzungen – und schließlich zur Klimaanpassung der Anlage

Einleitung

Die Folgen extrem heißer und trockener Sommer seit 2018 haben die Widerstandsfähigkeit der Branitzer Parklandschaft gegenüber dem Klimawandel auf die Probe gestellt: Wassermangel, vertrocknete Rasen- und Wiesenflächen, deutliche Zunahme von kranken und absterbenden Bäumen, Schäden an wassergebundenen Wegen, sich gegenseitig verstärkende Schädigungen, die sich in nie dagewesenem Ausmaß und Geschwindigkeit ausbreiten. Besonders im Baumbestand der Branitzer Parklandschaft mit ihren 30.000 Gehölzen sind die Buchenkomplexerkrankung an Rot-Buchen sowie der Befall von Stiel-Eichen mit holzzerstörenden Käfern (u.a. Eichenprachtkäfer) – und die damit einhergehende Abnahme der Verkehrssicherheit – gravierend. Besonders relevant für die Gartendenkmalpflege sind die langfristigen negativen Auswirkungen auf das Erscheinungsbild der historischen Anlage.

Seither lassen sich nahezu in jedem Jahr neue spezifische Krankheiten bzw. Vitalitätsverluste vor allem an heimischen Baumarten beobachten. Nicht nur die Altbäume sind durch die Dürrjahre geschwächt, auch Jungbäume sind von den komplexen Folgen des Klimawandels betroffen.

Maßnahmenbeschreibung

In mehreren parkeigenen Baumschulquartieren von Branitz, sog. Baumuniversitäten, wird bereits seit 2011 eine große Bandbreite unterschiedlichster Gehölzarten herangezogen. Dabei liegt ein Schwerpunkt auf den Gattungen Quercus und Fagus, da die Stiel-Eiche und die Rot-Buche die Hauptbaumarten der Branitzer Anlagen bilden und dementsprechend die größten Schäden und Verluste verzeichnen. Hinzu kommen andere wichtige Gattungen, wie Acer, Carpinus, Crategus, Fraxinus, Picea, Tilia und Ulmus, die nachgezogen werden.

Bei dieser Maßnahme geht es darum, Gehölze zu eruieren, zu selektieren und schließlich weiterzuvermehren, die sich durch Robustheit gegenüber Hitze- und Trockenperioden, schlechten Bodenverhältnissen, aber auch Spätfrösten auszeichnen. Neben der Robustheit/ Angepasstheit spielen ästhetische Aspekte eine entscheidende Rolle, schließlich soll das Erscheinungsbild des Gartendenkmals bewahrt werden. Es wird eine größtmögliche Ähnlichkeit zu den in der Anlage vorhandenen, originären Gehölzen (Phänotypen) angestrebt – sprich charakteristische Eigenschaften wie Habitus, Wuchshöhe, Blattform und -farbe, Rindenstruktur.

Ziel ist es, ein möglichst großes Spektrum an klimaresilienten Sorten in den Baumschulen bereitzuhalten, um langfristig für Diversität und Resilienz in den Gehölzbeständen zu sorgen.

Dabei werden aktuell folgende Ansätze verfolgt:

  1. Erprobung alternativer Arten (respektive Sorten, Unterarten, Varietäten, Hybriden u. dgl.)

  2. Erprobung gleicher Arten, aber mit anderer Provenienz

  3. Selektion aus Naturverjüngung

Während bei der Naturverjüngung Material aus der eigenen Anlage verwendet wird, werden für die ersten beiden Ansätze Saatgut, Reiser, Sämlinge etc. von botanischen Gärten und Forstbaumschulen im In- und Ausland bezogen. Die Standortverhältnisse des Ursprungsgebiets sind also wichtig (Niederschläge, Luftfeuchtigkeit, Sommer- und Wintertemperaturen). Die ursprünglichen Verbreitungsgebiete der Gehölze liegen dabei in Südosteuropa, Nordamerika und Ostasien. Die Herkunftsregionen sind zumeist niederschlagsarm, weisen heiße Sommer und kalte Winter auf – sind also den klimatischen Verhältnissen in Branitz resp. der Lausitz ähnlich.

Es wird bedarfsgerecht gewässert, mit Gießwagen bzw. über Zapfstellen. Gedüngt wird nach Maßgaben des integrierten Pflanzenschutzes, ohne synthetischen Dünger, und es erfolgt kein chemischer Pflanzenschutz.

Die Anzucht erfolgte bisher vor allem in der Branitzer Baumuniversität am historischen Standort in der Schlossgärtnerei im Innenpark (Baumschulfläche ca. 2.000 m²). Seit 2021 erfolgt die schrittweise Verlagerung der Baumschulflächen auf das Gelände der neuen Branitzer Baumuniversität im Außenpark. Hier entsteht aktuell auf 12,5 ha eine moderne Baumschule u.a. mit Gewächshäusern, Baumschul- und Versuchsflächen und einer Lebendsammlung. (Förderung als Modellprojekt im Rahmen des Bundesprogramms „Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel“, Fördersumme 5 Mio. €, sowie EFRE, Fördersumme 4,1 Mio. €). Damit ist die neue Branitzer Baumuniversität in Cottbus Deutschlands größtes Projekt für historische Gärten im Klimawandel.

Direkte Effekte

  • Anzucht/Verfügbarkeit eines breiten Spektrums an klimaresilienten Gehölzen für Nachpflanzungen in der Branitzer Parklandschaft;

  • stetig wachsende Erfahrungen und Entwicklung von Strategien zur künftigen Gehölzverwendung in der Anlage;

  • Erfahrungswissen auch für andere Anlagen

Indirekte Effekte

Zukünftig: Diversifizierung und Klimaanpassung des Gehölzbestandes in der 660 ha großen Branitzer Parklandschaft

Eignung / Wertung / Probleme

Mehr als 90 % der bereits in Freilandkultur ausgepflanzten/ befindlichen Pflanzen gedeihen sehr gut. Eine abschließende positive Wertung ist zum jetzigen Zeitpunkt anzunehmen, aber noch nicht empirisch belegbar. Probleme können sich evtl. bei Veredelungen ergeben, wenn Edelreis und Unterlage nicht harmonieren bzw. Unterlagen die Wuchseigenschaften „verfälschen“. Ferner besteht bei Saatgut die Gefahr der Hybridisierung. Derartige Problematiken sind einkalkuliert und werden dokumentiert.

Erfolg

Inzwischen umfangreicher Bestand unterschiedlichster, vielversprechender Gehölze. Die Anwuchsquote der bereits in den Park ausgepflanzten Gehölze aus eigener Anzucht liegt bei über 90%.

Monitoring und Dokumentation

In den Baumschulquartieren werden die jungen Pflanzen in den ersten Jahren bereits beurteilt. Die Ergebnisse fließen in ein Inventar bzw. Kataster ein.

Umwelt- und Standortbedingungen / Rahmenbedingungen

Standortbedingungen:

Trocken, sandig, sonnig; teils geschützt, teils exponiert.

Klimadaten:

  • Wetterdaten für Cottbus (Quelle: DWD)

  • Jahresmitteltemperatur (1991–2020): 10,0 Grad Celsius

  • Höchste Jahresmitteltemperatur (2019): 11,4 Grad Celsius

  • Niedrigste Jahresmitteltemperatur (1996): 7,8 Grad Celsius

  • Absolutes Temp.-maximum (2022): 39,2 Grad Celsius (gemessen in 2 m Höhe)

2022 lag die Jahresmitteltemperatur mit 11,0 Grad Celsius um 1 Grad Celsius über dem langjährigen Monatsmittelwert (1991–2020).

  • Jahresniederschlag im Mittel (1991–2020): 566,0 mm

  • Höchster Jahresniederschlag (2010): 816,8 mm

  • Niedrigster Jahresniederschlag (2006): 352,7 mm

Autoren

Team der Branitzer Baumuniversität, Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz

Investitionskosten

  • Baumuniversität in der Schlossgärtnerei: bislang ca. 15.000 € (Bundes- und Haushaltsmittel)

  • neue Branitzer Baumuniversität: im Rahmen des Bundesprogramms „Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel“, aufgrund eines Beschlusses des Deutschen Bundestages, Fördersumme 5 Mio. € (2021 bis 2026) sowie EFRE, Fördersumme 4,1 Mio. € (2024 bis 2028)

Laufende Betriebskosten

  • 2 eigene Baumschulgärtner zu jeweils ca. 60 bis 70 % (der Vollzeitstelle)

  • 2 Wissenschaftler als VZÄ

  • Projektleitung als VZÄ

Kooperationspartner:innen

  • Hochschule Geisenheim University

  • Humboldt-Universität zu Berlin – Späth-Arborethum

  • Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) – Fakultät Umweltwissenschaften

  • Technische Universität Dresden – Fakultät Umweltwissenschaften

Fördermittelgeber

BBSR; Programm Anpassung urbaner Räume an den Klimawandel / EFRE Land Brandenburg

Projektlaufzeit

Seit 2018

Download

Weiterführende Links

Zuständige Schlösserverwaltung

Stiftung Fürst-Pückler-Museum Park und Schloss Branitz